Die Geschichte des Flugplatzes Wiesbaden-Erbenheim

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte des Erbenheimer Flugplatzgeländes, das die Amerikaner heute als „Wiesbaden Army Airfield“ bezeichnen, reicht zurück in eine Zeit, in der das Gelände der Veranstaltung von Volksfesten und nationalen Feierlichkeiten diente.  Im Jahr 1184 fanden erstmals auf Anordnung des deutschen Kaisers Friedrich I Feierlichkeiten statt, bei denen der Kaiser seine Söhne zu Rittern schlug.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Festplatz zu einer Pferdebahn umgestaltet, mit der sich Wiesbaden durch seine preisgekrönten Rennveranstaltungen in ganz Europa einen Namen machte.

Am 11. Mai 1913 landete Prinz Heinrich von Preußen nach seinem legendären Flug in einem Feld neben der Rennstrecke.  Es war die erste dokumentierte Landung eines Flugzeuges auf dem Gelände des heutigen Heeresflugplatzes.   

Als die Zahl der Rennbesucher um 1917 begann, rückläufig zu werden, wurden erstmals von Sponsoren geförderte Flugvorführungen als fester Programmbestandteil in die Rennveranstaltungen aufgenommen.  Die berühmtesten deutschen Kunstflieger gaben sich mit ihren  Darbietungen damals die Ehre. 

Im Ersten Weltkrieg wurde die Rennbahn nicht für Fliegereinsätze genutzt.  Die Idee, daraus ein Rollfeld zu machen, hatte der pensionierte Fliegeroffizier Joseph Aumann erst im Jahre 1926.  Sein Vorschlag fand zwar nicht die Zustimmung der breiten Öffentlichkeit, jedoch überzeugte er die Stadtältesten davon, dass ein Flugplatz mehr Kurgäste nach Wiesbaden locken und damit die gesamte Wirtschaft der Kurstadt  ankurbeln würde. 

Bald darauf, im Frühjahr 1929, wurde der Flughafen „Wiesbaden-Mainz“ seiner Bestimmung übergeben.  Der private Flugbetrieb und die Sportfliegerei wurden jetzt in Wiesbaden populär. 

Mit dem Dritten Reich kam ab 1933 ein neuer Verwendungszweck hinzu.  Kampfpiloten der Deutschen Luftwaffe wurden nun in Wiesbaden ausgebildet.  1936 fand der Flugplatz „Wiesbaden-Mainz“ auf Anordnung des Luftwaffenhauptquartiers in Berlin als Fliegerhorst eine ausschliesslich militärische Verwendung. Nach Vollendung der Baumassnahmen zur Errichtung eines Kasernenbereichs, einer Start- und Landebahn und einiger Flugzeughallen zog 1938 die erste deutsche Kampffliegereinheit, die berühmte „Pik Ass“, in ihren neuen Standort ein.

Im Zweiten Weltkrieg diente der Fliegerhorst als Ausgangspunkt für Kampf- und Bombenflugzeuge.  Als die Zahl der Flugeinsätze ihren Höhepunkt erreichte, starteten dort alle drei Stunden bis zu 40 der sogenannten Bomber.  Natürlich war der Standort Wiesbaden das Ziel zahlloser alliierter Bombenangriffe, bei denen einmal sogar 76 Bombenkrater auf der Startbahn verzeichnet wurden.  Noch heute werden manchmal  Blindgänger bei Bauarbeiten rund um den Flugbereich entdeckt.

Ende März 1945 zog sich die Deutsche Luftwaffe vom Fliegerhorst Wiesbaden zurück, der anschliessend von den vorrückenden amerikanischen Truppen besetzt wurde.  Die US-Streitkräfte blieben nach Ende des Krieges in Wiesbaden, wo sie im September 1947 aus dem Heeresfliegerkorps eine eigenständige Waffengattung, nämlich die US‑Luftwaffe, bildeten. 1948 wurde der ehemalige Fliegerhorst offiziell zur „Wiesbaden Air Base“ (US-Luftwaffenstützpunkt) mit Sitz des Hauptquartiers der US‑Luftwaffe in Europa erklärt.

Während der „Berliner Luftbrücke“ 1949 zeichneten sich die auf der Wiesbadener „Air Base“ stationierten amerikanischen Flieger durch ihren aussergewöhnlichen Einsatz bei den Hilfsaktionen im Rahmen der „Operation Vittles“ („Aktion Carepaket“) besonders aus. Die „Flying Boxcars“ C52 und C84, die sogenannten Rosinenbomber der 60. Transportfliegergruppe, nahmen täglich Kurs auf den Flughafen Tempelhof, der wie die Stadt Berlin eingeschlossenen war.  Auf diese Weise wurden Tag für Tag mehr als 80 Tonnen Lebensmittel und Hilfsgüter von Wiesbaden nach Berlin transportiert.  Einige Straßen innerhalb des heutigen US‑Heeresflugplatzes „Wiesbaden Army Airfield“ sind nach den Fliegern benannt, die während der „Berliner Luftbrücke“ ihr Leben verloren. 

1976 verlegte man das Hauptquartier der US-Luftwaffe (USAFE - US Air Force, Europe) und ihre vor Ort stationierten Einheiten nach Ramstein, und eine Infanteriebrigade ersetzte die aus Wiesbaden abgezogenen Flieger, was eine starke Reduzierung des Flugverkehrs zur Folge hatte.  Die Infanterie zog 1983 wieder ab, und das Hauptquartier des 5. US-Korps übernahm den Standort. Es wurde entschieden, den Luftwaffenstützpunkt wieder seiner eigentlichen Bestimmung zu übergeben.  Schliesslich hatte er bis dahin den Namen „Wiesbaden Air Base“ beibehalten.  

         1998 wurde die „Air Base“ offiziell in den Flugplatz „Wiesbaden Army Airfield“ umbenannt. Bis zur Neuordnung der Stationierung und

 

Umstrukturierung im Zusammenhang mit dem globalen Krieg gegen den Terror beheimatete er  das 3.

 

Korpsunterstützungskommando, Gefechtsunterstützungseinheiten des 5. US-Korps, Kommandounterstützungsstäbe der 1. US-Panzerdivision

 

sowie das Hauptquartier der 1. Panzerdivision und deren Gefechtsunterstützungsabteilungen.

 

Gegenwärtig dient die US-Garnison Wiesbaden als Standortverwaltung für das Hauptquartier der 1. Panzerdivision, das 5. Fernmeldekommando, die 66. Aufklärungsbrigade, sowie mehrere kleinere Einheiten der Militärpolizei, der Sanitätsdienste, der Flugleitung und der Air Force.